Pflanzen des Bezirks #3

Pflanzen des Bezirks #3

Katja Frenz
Löwenzahn im Kopfsteinpflaster
Sarah Nock

Der gemeine Löwenzahn findet immer einen Weg!

Kreuzberger wildes Pflänzchen: Der gemeine Löwenzahn ist ein wahrer Überlebenskünstler mit zahlreichen Begabungen. Ihm reicht ein wenig Straßenrand, eine Pflaster- oder Mauerritze, um zu erblühen und damit ist er auch bei uns mitten in der Stadt überall präsent.

Der Löwenzahn verdankt seinen Namen den Zacken, die wie Zähne seine Blätter säumen. Doch wirklich bissig ist die Wildpflanze nicht – im Gegenteil: Er wird seit Jahrhunderten als Heilkraut genutzt und als reife Pusteblume fasziniert er Kinder und Erwachsene seit jeher.

Wo Löwenzahn wächst, hat der Boden einen hohen Nährstoffgehalt und ist sehr stickstoffhaltig. Das ist allerdings ein ungünstiger Zustand, wenn man eine hohe Artenvielfalt anstrebt.

Botanisch gesehen, ist der Löwenzahn schwer durchschaubar. Es gibt sehr viele Arten. Und selbst die „Pusteblume“, also der Gewöhnliche Löwenzahn und blüht von April-Juni, ist eigentlich ein Konglomerat von Arten. Er gehört zur großen Korbblütengewächs-Familie.

Pusteblume ist eine Bezeichnung für reife Korbblütler wie dem Löwenzahn nach Ausbildung der Flugsamen, Schirmchen mit kugelähnlichem Fruchtstand, die nach dem Verblühen in filigrane Federkugeln aus 200 bis 400 zarten Flugapparaten werden– die für Kinder geradezu unwiderstehlichen, „magischen“ Pusteblumen.

Löwenzahn wächst auf Wiesen und Weiden.In Mitteleuropa ist er ein häufiges Wildkraut auf Wiesen, an Wegrändern und in Gärten. Als Ruderalpflanze besiedelt er schnell Brachflächen, Schutthalden und Mauerritzen. Auch wird der Löwenzahn als diejenige Wiesenpflanze bezeichnet, die als einzige resistent ist gegen Unkrautvernichtungsmittel. Sie erscheint demnach auch als Symbol des Widerstandes. Eine einzelne Pflanze kann, wenn sie mehrfach zur Blüte kommt, über 5.000 Samen im Jahr produzieren.

Die ZDF-Umweltbildungsserie „Löwenzahn“ (1979-2021, bis 1981 „Pusteblume), in der Peter Lustig den Menschen das Leben im Bauwagen in der Stadtnatur nahebringt, kennt jedes Kind seit 40 Jahren!

Pflanzen des Bezirks #3
Bild: Photokip.com via Pexels

Power-Wildpflanze in der Küche und Hausapotheke

Seine vielen guten Eigenschaften haben den Löwenzahn über Jahrhunderte hinweg zum treuen Begleiter des Menschen gemacht, sei es als Lieferant wertvoller Heilmittel, als Nahrung für Mensch und Vieh oder Bienenweide. Der so zahlreich vorkommende und in seiner Erscheinung so auffällige Löwenzahn war tief im Bewusstsein unserer Vorfahren verwurzelt. Die Heilkundigen verwendeten Löwenzahn bei Gicht, rheumatischen Beschwerden, verschiedenen Hautleiden und als Schönheitsmittel. Blätter, Stängel, Blüten und die kräftige Pfahlwurzel lieferten der Volksmedizin ebenso wie den Apothekern wertvolle Arznei in Form von Destillaten, Saft, Tee, Salaten und sogar Wein.

Rezepte mit Löwenzahn

Der optimale Erntezeitpunkt für den Löwenzahn ist ab April, dabei können alle Teile der Pflanze gegessen oder als Tee getrunken werden. Junge Blätter können wir auch als Salat oder Smoothie zubereiten. Durch seinen hohen Vitamin- und Nährstoffgehalt und dank der enthaltenen Bitterstoffe wirkt er positiv, spült den Körper von innen durch, wirkt anregend auf die Verdauung, hilft bei einer gestörten Kalziumaufnahme und bringt unseren Körper in Schwung. Eine Frühjahrskur mit frischen jungen Blättern wirkt Wunder: Galle und Leber, Darm und Blutzuckerspiegel werden ausgeglichen.

Löwenzahnsirup ist eine vegane Alternative zum Honig, als Hausmittel gegen Husten, im Verkauf teuer und kostet selbstgemacht so gut wie nichts. Er schmeckt auch Kindern zu Pfannkuchen, auf Brot und zu Süßspeisen. • 80 g frische Löwenzahnblüten, 6 EL Agavendicksaft wahlweise auch regional Apfeldicksaft • 2 TL Zitronensaft, (veganes) Geliermittel • 500 ml Wasser – ergibt 500 ml . 1. Löwenzahnblüten sammeln 2. Blüten mit Wasser bedeckt in einen Topf geben. 3. Topf verschließen und aufkochen 4. Herd ausschalten und den Topf darauf stehenlassen, so dass er langsam abkühlt. 5. 24 Stunden ziehen lassen, dann erneut aufkochen und nochmals auf dem ausgeschalteten Herd zwei Stunden ziehen lassen. 6. Die Flüssigkeit durch ein Sieb in einen zweiten Topf gießen. 7. Zitronensaft, Agavendicksaft und Geliermittel einrühren und nach Packungsanleitung des Geliermittels fertigkochen. In ausgekochte Gläser heiß einfüllen.

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Bild: Skitterphoto via Pexels

Die jungen Blätter ergeben einen schmackhaften Salat, man kann sie aber auch wie Spinat zubereiten. Die Knospen werden als falsche Kapern eingelegt. In Notzeiten wurden die getrockneten, gerösteten Wurzeln als Kaffeeersatz getrunken.

Smoothie „König der Löwen“: 3/4 Handvoll Löwenzahn Blätter und gerne auch Blüten, eine Handvoll Feldsalat, ein Apfel, eine Birne, ein Banane, ein kleines Stück Ingwer, Ananas/Mango oder Orangensaft und Wasser zum Auffüllen. Alles in einen starken Mixer geben, eingießen und genießen!

Text: Katja Frenz, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin, Umweltbildung

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