Pflanzen des Bezirks #9

Katja Frenz, Umwelt- und Naturschutzamt
Die Eibe
Katja Frenz

Die Eibe – hochgiftige Ureinwohnerin mit Früchten für Wilde Vögel

Hochgiftiger Ureinwohnerin und wichtige Nahrungsquelle für Wintervögel

Die Eibe (Taxus baccata) ist die eigenartigste unter den einheimischen Nadelbaumarten. Sie erreicht mit bis zu 3000 Jahren das höchste Alter und ist die schattenverträglichste unter allen einheimischen Baumarten. Sie wird allerdings oft älter eingestuft, als sie tatsächlich ist, weil ältere Eiben sogenannte “Scheinstämme” bilden. Dabei wächst sie extrem langsam: nur ein bis drei Zentimeter im Jahr. Sie erreicht eine Höhe von bis zu 20 Metern mit einer Stammdicke von einem Meter.

Beliebtes Holz

Heute ist sie wegen jahrhundertelanger Übernutzung auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, obwohl sie vielfältige Überlebensstrategien entwickelt, um mit den wesentlich höheren Buchen, Fichten und Tannen konkurrieren zu können. Sie verträgt nicht nur mehr Schatten als alle anderen Bäume in Mitteleuropa, sie kann auch aus einem gefällten oder abgebrochenen Stamm neu austreiben.

Eibenholz zählt zu den härtesten und schwersten Holzarten und ist sehr dauerhaft Im Mittelalter wurde Eibenholz zum Bau von Waffen, etwa zum Bogenbau, eingesetzt. Das rare Holz wird heute für Drechslerarbeiten, Möbelbau und für die Herstellung von Musikinstrumenten verwendet.

Bild: Katja Frenz, Umwelt- und Naturschutzamt

Giftige Pflanze

Früchte tragen die weiblichen Eiben. Sie sind giftig für Mensch und Haustiere, aber wertvolle Nahrung für Wintervögel. Anders als andere Nadelbäumen bildet die Eibe keine Zapfen oder Harzgallen aus. Sie ist zweihäusig: Es gibt männliche und weibliche Eiben, wobei nur die weiblichen Pflanzen die kleinen roten Früchte tragen. Alles an der Eibe ist hochgiftig, bis auf das rote Fruchtfleisch des Samenmantels (Arillus), der schwarze Samen innen wiederum schon. Die Giftigkeit der Eibe war schon im Altertum bekannt. So stellten die Kelten aus dem Sud gekochter Eibennadeln ein wirksames Pfeilgift her. Das giftige Taxin kann ein Pferd zu töten. Wiederkäuendes Wild hingegen hat eine Vorliebe für die Eibe und verträgt sie in Maßen.

Futterpflanze und Naturdenkmal in Kreuzberg

Die immergrüne Eibe ist eine wichtige Futterpflanze für unsere heimischen Vögel im Herbst und Winter, wenn die Insekten zurückgehen: Samenverbreiter wie Amseln, Drosseln, Star verdauen nur das Fruchtfleisch, scheiden Samen wieder aus und verbreiten so den Samen. Vögel, die die Samen fressen sind beispielsweise Grünfink, Kernbeißer und einige Spechtarten.

Eine wunderschön gewachsene Eibe, die als schützenswertes Naturdenkmal ausgewiesen ist, finden Spaziergänger*innen nahe dem Mariannenplatz in unserem Bezirk südseitig der Spree in der Wrangelstraße 137, im „Vorgarten“ der Nürtingen Grundschule. Diese Gewöhnliche Eibe ist mit ihren angegebenen 72 Jahren noch eine echte „Schülerin“!

Text: Katja Frenz, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin, Umweltbildung

Fachliche Zuarbeit: Kristina Roth / Stiftung Naturschutz Berlin

Mehr Aktuelles

Pflanzen des Bezirks #10

Mausohrhabichtskraut gerettet und umgesiedelt Die Habichtskräuter (Hieracium) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Gattung umfasst

Tiere des Bezirks #9

Gelbhalsmaus: Erfinderische Kiezbewohnerin besetzt im Winter gerne Vogel-Nisthilfen Die Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) ist ein Säugetier und gehört zur Familie

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner